Dölauer Heide
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Inhaltsübersicht zur Dölauer Heide
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Dölauer Heide (Stadtwald)

Das 658 ha große Landschafts-schutzgebiet Dölauer Heide ist das größte Waldgebiet in Halle. Früher hauptsächlich als Wirtschaftswald genutzt, entwickelte sich die Heide in Richtung eines reinen Kiefernwaldes.
Sie wurde seit dem Mittelalter als Holzeinschlagsgebiet vor allem für Bauzwecke und den Salinebetrieb genutzt. Die Landschaft wurde weiterhin durch jahrhundertelangen Braun- und Steinkohlenabbau geprägt. Bereits im 19. Jhd. entdeckten die Hallenser die Heide als Ausflugsziel. Ziel der heutigen Bewirtschaftung ist es, sie schrittweise in einen standortgerechten Mischwald umzuwandeln und damit günstige Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Als Wander- und Erholungsgebiet verfügt die Heide über ein gut ausgebautes Fuß-, Reit- und Radwegenetz sowie Spiel- und Turnplätze. Informationen zur Geschichte und Natur der Heide finden die Besucher an folgenden Punkten:
Wolfsschlucht, Kellerberg, Heidefriedhof, Heilige Hallen, Bergmannssteig, Bischofswiese (Naturschutzgebiet), Schwedenschanze, Krankenberg, Kolkturmberg.
Wolfsschlucht

Enger Talweg, an dem sich im 16./17. Jahrhundert der Küster von Nietleben und der Küster von Dölau in der Begleitung des Pfarrers von Lettin ablösten, wenn dieser in Nietleben-Granau Amtshandlungen vorzunehmen hatte. Beide waren zum Schutz vor Wölfen mit Spießen bewaffnet. Der Dölauer Küster erhielt zum Lohn "Wolfsbrote"; dieser "Wolfszins" lag noch bis etwa 1850 auf einigen Häusern in Dölau.
Kellerberg

Auf dem Berg, 130 m NN, war im 17. Jahrhundert der Sitz der Heideförsterei. Der Berg trägt seinen Namen nach dem Keller dieses Forsthauses. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Försterei zerstört. Der Sitz des Heideförsters verlagerte sich im 18. Jahrhundert in die 1697 begründete Fasanerie des Kurfürsten Friedrich III. am Heiderand in Nietleben.
Heidefriedhof

Auf diesem Friedhof wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts die namenlosen Toten und Selbstmörder beerdigt, die in der Heide gefunden wurden.
Die Heide befand sich damals im Besitz des preußischen Staates, und die umliegenden Ortschaften lehnten die Kosten für eine Beerdigung ab. 1929 kam das Gebiet der Heide zur Stadt Halle, so dass nun Bestattungen auf städtischen Friedhöfen möglich waren. Damit verlor der Heidefriedhof seine Funktion und wurde seitdem als Gedenkstätte für insgesamt 52 Grabstätten gepflegt.
Heilige Hallen

Wahrscheinlich im Zeitalter der Empfindsamkeit (Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert) entstandene Bezeichnung für den Eichenwald nördlich des Hertateiches. War Ausflugsort der Studenten, aber auch bis Anfang des 20. Jahrhunderts Schauplatz von Duellen.
Bergmannssteig

Alter Weg, den die Dölauer Bergleute (1865 bis 1936) zu den Zscherbener Braunkohlegruben benutzten.
 
Bischofswiese

Das Naturschutzgebiet Bischofswiese bildet zusammen mit dem "Langen Berg" ein Plateau (130 m NN). Es ist nicht nur unter Naturschutzaspekten, sondern auch aus historischer Sicht bedeutungsvoll. Um 1000 v.u.Z. siedelten jungbronzezeitliche Bevölkerungsgruppen auf Teilen der Bischofswiese. Seit 1145 gehörte die Heide zum Erzstift Magdeburg und wurde parzellenweise an Bürger, Vasallen und Beamte verpachtet. Diese Pächter teilten diese Parzellen weiter auf und vergaben sie an Drittnutzer. Jene Zersplitterung der Bewirtschaftung führte allmählich zum Raubbau am Baumbestand. Nach der Reformation wurde das Erzstift Magdeburg säkularisiert, die Verwalter des Herzogs nannte man nun Administratoren. Die Bezeichnung "Bischof" blieb aber im Volksmund erhalten. Der "Bischof" Christian Wilhelm (Amtszeit 1598 bis 1631) beendete die Kleinstnutzung und begann mit einer planmäßigen Heidepflege. Auf der heute nach ihm benannten Wiese ließ er ein Jagdhaus erbauen und Eichen pflanzen, die den Grundstock für den jetzigen Bestand bildeten.

Nach den Befreiungskriegen wurde die Heide von der halleschen Bevölkerung als Ausflugsziel entdeckt, allerdings fanden hier auch tödliche Duelle zwischen Studenten statt. Besonders für Familien und Vereine war die Bischofswiese als idealer Lagerplatz bis in die jüngste Vergangenheit beliebt.

Während der Zeit der "Sozialistengesetze" (1878 bis 1890) wurde die Bischofswiese zum geheimen Treffpunkt der halleschen Sozialdemokratie. Am 1. Mai 1890 versammelten sich auf der Bischofswiese etwa 600 Arbeiter zur ersten Maifeier in Halle. Auch in den Folgejahren diente die Wiese als Treffpunkt der sozialdemokratischen Parteiarbeit. Eine Antikriegsdemonstration fand im Jahre 1917 statt. Während der Weimarer Republik war die Wiese illegaler Versammlungsort der KPD.

1961 wurde die Bischofswiese unter Naturschutz gestellt.
Schwedenschanze

Im Dreißigjährigen Krieg (1636) von den Schweden unter General Bauer angelegte quadratische Schanze mit vier Bastionen. Teil der Verteidigungslinie der Heidedörfer gegen die kaiserlich-sächsischen Truppen, die Halle besetzt hatten. Heute noch im Gelände sichtbar, 50 m links am Weg.
 
Krankenberg

eigentlich Kranichberg: hier rasteten früher die Kraniche während des Frühjahrs- und Herbstzuges.
 
Kolkturmberg

Die 1860 gegründete Kolkgesellschaft (kolken = ulken) errichtete auf dem 132 m hohen Berg (NN) 1880 einen Aussichtsturm, der bis 1921 hier stand. Am 15. Mai 1880 konnte der Grundstein gelegt und am 02. Juli 1880 der Holzturm der Stadt übergeben werden. Der Turm wurde bis 1889 von der Kolkgesellschaft betreut, danach vom Halleschen Verschönerungsverein übernommen und befand sich ab 1909 in der Obhut des Heidevereins, der auch ein kleines Museum errichtete. Durch Vandalismus nach dem 1. Weltkrieg wurde der Turm zerstört. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges entstand auf dem Schwarzen Berg ein neuer Holzturm, der in den sechziger Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.

An alter Stelle wurde 1976 die heutige Stahlkonstruktion vom Reichsbahnausbesserungswerk Halle errichtet.